<strong>Ich liebe Geschichts-Diskusionen! Ist ein sehr interessantes Thema!
Nun ja, dass Deutschland allein den 1. Weltkrieg angezettelt hat habe ich nie gesagt, das stimmt ja so auch nicht, da hast du Recht!
Aber Wilhelm II. als Opfer der Geschichte darzustellen, der das Gute wollte... was soll man dazu noch sagen? Wie um alles in der Welt kommst du darauf? Ich werde mal eine Quelle von Wilhelm zitieren:
Wilhelms berühmte 'Hunnenrede' (27.7.1900) zum Angriffskrieg in China, um dort Land zu erobern:
Redet so jemand der nur das Gute wollte? Ich denke nicht!
Außerdem hat Österreich-Ungarn das Ultimatum erst gestellt, nachdem Deutschland eine 'Balkanvollmacht' erteilt hat, im Klartext: Deutschland hat ein solches Ultimatum gebilligt.
Auch die deutschen Kriegsziele waren ein deutliches Zeichen für die agressive Politik Wilhelms, wo man doch offiziell nur einen 'Verteidigungskrieg' führte: Die gesamte französische Kanalküste bis zur Somme sollte deutsch werden, Belgien und Luxemburg sollten deutsch werden, alle ponischen Provinzen in Russland sollten deutsch werden, das gesamte Baltikum sollte deutsch werden! Österreich-Ungarn, Bulgarien, Rumänien, Niederlande, Schweiz, Dänemark, Norwegen, Schweden und Finnland sollte von Deutschland abhängig werden! Erzähl mir jetzt bitte nicht dass Wilhelm II. keinen Krieg wollte! Er hatte Weltmachtsträume! Wer solche Kriegsziele stellt der hat eine sehr große Mitschuld am 1. Weltkrieg!
Wenn man die Ziele von Wilhelm mit denen von Hitler vergleicht, dann sieht man dass Hitler Wilhelms Kriegsziele zum großen Teil einfach nur übernommen hat!
Wie man Wilhelm II. da gute Absichten unterstellen kann ist mir schleierhaft! Und wenn die Schuldfrage unter Historikern umstritten ist, trotzdem stellt KEINER eine Mitschuld von Wilhelms agressiver Außenpolitik in Frage!
Sorry wenn ich vom Thema abgewichen bin, aber diese geschichtlichen Ansichten möchte ich mal zum Besten geben!</strong><hr></blockquote>
"Große überseeische Aufgaben sind es, die dem neu entstandenen Deutschen Reiche zugefallen sind, Aufgaben weit größer, als viele Meiner Landsleute es erwartet haben. Das Deutsche Reich hat seinem Charakter nach die Verpflichtung, seinen Bürgern, wofern diese im Ausland bedrängt werden, beizustehen. Die Aufgaben, welche das alte Römische Reich deutscher Nation nicht hat lösen können, ist das neue Deutsche Reich in der Lage zu lösen. Das Mittel, das ihm dies ermöglicht, ist unser Heer.
In dreißigjähriger treuer Friedensarbeit ist es herangebildet worden nach den Grundsätzen Meines verewigten Großvaters. Auch ihr habt eure Ausbildung nach diesen Grundsätzen erhalten und sollt nun vor dem Feinde die Probe ablegen, ob sie sich bei euch bewährt haben. Eure Kameraden von der Marine haben diese Probe bereits bestanden, sie haben euch gezeigt, daß die Grundsätze unserer Ausbildung gute sind, und Ich bin stolz auf das Lob auch aus Munde auswärtiger Führer, das eure Kameraden draußen sich erworben haben. An euch ist es, es ihnen gleich zu tun.
Eine große Aufgabe harrt eurer: ihr sollt das schwere Unrecht, das geschehen ist, sühnen. Die Chinesen haben das Völkerrecht umgeworfen, sie haben in einer in der Weltgeschichte nicht erhörten Weise der Heiligkeit des Gesandten, den Pflichten des Gastrechts Hohn gesprochen. Es ist das um so empörender, als dies Verbrechen begangen worden ist von einer Nation, die auf ihre uralte Kultur stolz ist. Bewährt die alte preußische Tüchtigkeit, zeigt euch als Christen im freundlichen Ertragen von Leiden, möge Ehre und Ruhm euren Fahnen und Waffen folgen, gebt an Manneszucht und Disziplin aller Welt ein Beispiel.
"Ihr wißt es wohl, ihr sollt fechten gegen einen verschlagenen, tapferen, gut bewaffneten, grausamen Feind. Kommt ihr an ihn, so wißt: Pardon wird nicht gegeben. Gefangene werden nicht gemacht. Führt eure Waffen so, daß auf tausend Jahre hinaus kein Chinese mehr es wagt, einen Deutschen scheel anzusehen. Wahrt Manneszucht. Der Segen Gottes sei mit euch, die Gebete eines ganzen Volkes, Meine Wünsche begleiten euch, jeden einzelnen. Öffnet der Kultur den Weg ein für allemal! Nun könnt ihr reisen! Adieu Kameraden!"
Die von dir zitierte Variante der Hunnenrede hat es so nicht gegeben, die richtige Version steht oben. Die von dir verwendete wird bis heute benutzt um unseren letzten deutschen Kaiser (ich weiß auch das er für seine teils säbelrasselnden Reden oft harsche Kritik im Ausland einstecken mußte) in einem falschen Licht erscheinen zu lassen. Ich weiß zwar nicht inwieweit du dich mit dem Thema Kaiserreich über den Schulstoff beschäftigt hast, rate dir aber zu weiterer Lektüre zum Thema.
Das Deutsche Kaiserreich war zu seiner Zeit vorbildlich in Europa, die Sozialgesetzgebung und die staatlichen Vorgaben zum Wohle der arbeitenden Bevölkerung einmalig auf der Welt.
Freilich kann man die Verhältnisse nicht mit heute vergleichen, die damalige Welt kannte ihre Zukunft noch nicht. Nicht umsonst spricht man noch heute von der "guten alten Zeit". Gemeint ist die Zeit zwischen der Reichsgründung 1871 und dem Ausbruch des ersten Weltkriegs 1914. 43 Jahre tiefster Frieden, eine Zeit in der der allgemeine Fortschritt dem deutschen Reich Flügel versetzte.
Kaiser Wilhelm II in einer Reihe mit Hitler zu nennen finde ich unerhört, das Thema ist mir wirklich sehr ernst. Wie du sicher weißt, war der Grund des Einrückens der deutschen Truppen die Ermordung des deutschen Gesandten Klemens Freiherr von Ketteler sowie das Abschlachten von über 1200 Christen (überwiegend Chinesen) durch eine fanatische Bewegung, die sog. Boxer. Die deutsche Schutztruppe rückte nebst Briten, Russen, Österreichern und Italienern zur Niederschlagung derselben ein. Von einem Alleingang Deutschlands kann also absolut nicht die Rede sein. Die Deutschen taten sich durch Ihren Heldenmut ("Germans to the Front") besonders hervor.
Wenn du möchtest kannst du das Eingreifen quasi als frühe "UN" sehen
Den Rest deiner Ausführungen muss ich leider als hanebüchenen Blödsinn abtun, interessiere mich aber sehr für deine historisch belegbaren Quellen für die von dir genannten deutschen Eroberungspläne.
Hier noch ein wenig zum Thema "kriegslüsterner Kaiser":
"Kaiser Wilhelm II. zum ersten Jahrestage des Kriegsausbruchs
Ein Jahr ist verflossen, seitdem Ich das deutsche Volk zu den Waffen rufen mußte. Eine unerhört blutige Zeit kam über Europa und die Welt. Vor Gott und der Geschichte ist Mein Gewissen rein: Ich habe den Krieg nicht gewollt. Nach Vorbereitungen eines ganzen Jahrzehnts glaubte der Verband der Mächte, denen Deutschland zu groß geworden war, den Augenblick gekommen, um das in gerechter Sache treu zu Seinen österreichisch-ungarischen Bundesgenossen stehende Reich zu demütigen oder in einem übermächtigen Ringe zu erdrücken.
Nicht Eroberungslust hat uns, wie Ich schon vor einem Jahre verkündete, in den Krieg getrieben. Als in den Augusttagen alle Waffenfähigen zu den Fahnen eilten und die Truppen hinauszogen in den Verteidigungskampf, fühlte jeder Deutsche auf dem Erdball, nach dem einmütigen Beispiele des Reichstags, daß für die höchsten Güter der Nation, ihr Leben und ihre Freiheit, gefochten werden mußte. Was uns bevorstand, wenn es fremder Gewalt gelang, das Geschick unseres Volkes und Europas zu bestimmen, das haben die Drangsale Meiner lieben Provinz Ostpreußen gezeigt. Durch das Bewusstsein des aufgedrungenen Kampfes ward das Wunder vollbracht: der politische Meinungsstreit verstummte, alte Gegner fingen an, sich zu verstehen und zu achten, der Geist treuer Gemeinschaft erfüllte alle Volksgenossen.
Voll Dank dürfen wir heute sagen: Gott war mit uns. Die feindlichen Heere, die sich vermaßen, in wenigen Monaten in Berlin einzuziehen, sind mit wuchtigen Schlägen im Westen und im Osten weit zurückgetrieben. Zahllose Schlachtfelder in den verschiedensten Teilen Europas, Seegefechte an nahen und fernsten Gestaden bezeugen, was deutscher Ingrimm in der Notwehr und deutsche Kriegskunst vermögen. Keine Vergewaltigung völkerrechtlicher Satzungen durch unsere Feinde war imstande, die wirtschaftlichen Grundlagen unserer Kriegführung zu erschüttern. Staat und Gemeinden, Landwirtschaft, Gewerbefleiß und Handel, Wissenschaft und Technik wetteiferten, die Kriegsnöte zu lindern. Verständnisvoll für notwendige Eingriffe in den freien Warenverkehr, ganz hingegeben der Sorge für die Brüder im Felde, spannte die Bevölkerung daheim alle ihre Kräfte an zur Abwehr der gemeinsamen Gefahr.
Mit tiefer Dankbarkeit gedenkt heute und immerdar das Vaterland seiner Kämpfer, derer, die todesmutig dem Feind die Stirne bieten, derer, die wund oder krank zurückmeldeten, derer vor allem, die in fremder Erde oder auf dem Grund des Meeres vom Kampfe ausruhen. Mit den Müttern und Vätern, den Witwen und Waisen empfinde Ich den Schmerz um die Lieben, die fürs Vaterland starben.
Innere Stärke und einheitlicher nationaler Wille im Geiste der Schöpfer des Reichs verbürgen den Sieg. Die Deiche, die sie in der Voraussicht errichteten, daß wir noch einmal zu verteidigen hätten, was wir 1870 errangen, haben der großen Sturmflut der Weltgeschichte getrotzt. Nach den beispiellosen Beweisen von persönlicher Tüchtigkeit und nationaler Lebenskraft hege Ich die frohe Zuversicht, daß das deutsche Volk, die im Kriege erlebten Läuterungen treu bewahrend, auf erprobten alten und auf vertrauensvoll betretenen neuen. Bahnen weiter in Bildung und Gesittung rüstig vorwärts schreiten wird.
Großes Erleben macht ehrfürchtig und im Herzen fest. In heroischen Taten und Leiden harren wir ohne Wanken aus, bis der Friede kommt. Ein Friede, der uns die notwendigen militärischen, politischen und wirtschaftlichen Sicherheiten für die Zukunft bietet und die Bedingungen erfüllt zur ungehemmten Entfaltung unserer schaffenden Kräfte in der Heimat und auf dem freien Meere.
So werden wir den großen Kampf für Deutschlands Recht und Freiheit, wie lange er auch dauern mag, in Ehren bestehen und vor Gott, der unsere Waffen weiter segnen wolle, des Sieges würdig sein.
Großes Hauptquartier, den 31. Juli 1915"


