Dark Forces
Posted: Sun Nov 28, 2010 9:29 pm

Es ist schon einige Jahre her, dass dieses Spiel erschienen ist, trotzdem ist es noch nicht zu spät für ein ausführliches Review.
Star Wars: Dark Forces (kurz: Dark Forces) ist ein Egoshooter, der im Jahre 1995 von LucasArts entwickelt und auch herausgegeben wurde. Das Spiel erschien zuerst für PC (MS-DOS) und Apple Macintosh, ein Jahr später wurde jedoch auch eine technisch schwächere Version für die Playstation veröffentlicht. Dark Forces ist der erste Egoshooter im Star Wars Universum und der direkte Vorgänger von Jedi Knight: Dark Forces II. Das Spiel wurde wie sehr viele Egoshooter seiner Zeit in Deutschland indiziert, weswegen auch der Untertitel „Dark Forces II“ in der europäischen Version des Nachfolgers entfernt wurde. Die Indizierung von Dark Forces wurde im Jahre 1998 jedoch wieder aufgehoben.
Dark Forces stand damals in direkter Konkurrenz mit dem enorm erfolgreichen Doom 2 von der Firma id Software, und konnte sich in den Testberichten auch sehr gut behaupten. Das Spiel verwendet jedoch nicht wie damals üblich die Engine von Doom, sondern die exklusiv für dieses Spiel entwickelte Jedi Game Engine. Dennoch ähneln sich beide Spiele technisch sehr stark.
In Jedi Knight steuert man hauptsächlich den Söldner Kyle Katarn, der auch in den Nachfolgern regelmäßige Auftritte hat. In diesem Spiel wird jedoch noch ausschließlich mit teils recht konventionellen Waffen gekämpft, der Einsatz der „Macht“ wurde erst in Jedi Knight möglich. Zwar gibt es lediglich Schusswaffen, dafür ist die Auswahl verglichen mit anderen Spielen sehr groß. So gibt es eine Vielzahl an Pistolen, Lasergewehren und automatischen Waffen. Außerdem gibt es Handgranaten, einen Granatwerfer und zeitgezündete Minen. Sämtliche Explosivwaffen sind bei diesem Spiel jedoch nur für geübte Spieler empfehlenswert. Nicht selten wirft man eine Granate direkt vor sich gegen die Decke oder eine Wand, zudem ist der Detonationsradius bei Minen äußerst groß. Immerhin haben auch die Gegner mit den gleichen Problemen zu kämpfen.
Erschwert wird der Einsatz der Waffen zusätzlich durch die Steuerung, die wie damals üblich, ausschließlich mit der Tastatur von Statten geht. Der Einsatz der Maus ist - abgesehen von den Menüs - nicht möglich, was bei den Spielen auf Basis der Doom-Engine durch Frontends wie Doomsday-Engine wenigstens nachträglich gelöst wurde. Somit ist es bei Dark Forces nicht möglich, sich frei mit der Maus umzusehen. Will man doch nach oben oder unten blicken, geht das nur sehr umständlich mit den Tasten Bild-Auf und Bild-Ab. Da sich natürlich auch das Zielen ohne Mausblick wesentlich schwieriger gestalten würde, macht auch Dark Forces Gebrauch von einer automatischen Zielhilfe. Innerhalb eines bestimmten Radius´ werden Gegner automatisch anvisiert, was das Treffen von beweglichen Zielen auf große Entfernung nicht einfach macht. Vorhalt geben ist also bei den meisten Waffen nicht möglich.
Positiv ist der Steuerung anzurechnen, dass man auch springen, rennen und sich ducken kann.
Dark Forces hat zwar eine recht große Waffenauswahl, dafür gibt es sich bei der Anzahl der Levels recht spartanisch. Es gibt lediglich vierzehn Missionen in Dark Forces. Dieses sind zwar ziemlich weitläufig und gut designed, im Gegensatz zu den dreißig Missionen die beispielsweise Doom 2 zu bieten hat, macht sich diesbezüglich jedoch leichte Ernüchterung breit. Dafür sind dieses 14 Missionen sehr abwechslungsreich und bieten einige verblüffend originelle Puzzles. Einige Rätsel haben es wirklich in sich. Außerdem gibt es nach einer beendeten Mission meistens eine nett animierte Zwischensequenz, so etwas war im Egoshootergenre bis zu diesem Zeitpunkt nicht üblich.
Auch gibt es einige Features, die man über die Funktionstasten zuschalten kann. Beispielsweise hat man die Möglichkeit eine Taschenlampe oder ein Nachtsichtgerät zu aktivieren, diese verbrauchen jedoch Akkuleistung. Ist diese Energie verbraucht steht man im Dunkeln. Auch gibt es Schneeschuhe, um in Eislandschaften nicht zu rutschen oder eine Gasmaske gegen Giftgas. Einige dieser Gegenstände wurden eigens für eine einzige Mission eingebaut, die Entwickler waren also offenbar mit Liebe bei der Sache.
Dark Forces wird damit zu einem sehr guten Egoshooter seiner Zeit, jedoch gibt es auch einen, wirklich entscheidenden Kritikpunkt. Möglicherweise ist es der parallelen Entwicklung für die Playstation zu verdanken, auf jeden Fall wurden bei der Speicherfunktion in Dark Forces neue, meiner Meinung nach sehr fragwürdige Wege beschritten. Im Egoshootergenre war es schon immer üblich, jederzeit speichern zu können, LucasArts hatte da aber offenbar andere Pläne. Für eine Mission gibt es lediglich eine gewisse Anzahl an „Leben“. Sind dieses verbraucht, muss man den Level komplett von vorne beginnen. In Anbetracht der sehr großen und oft nicht einfachen Levels, sowie meistens eines Bossgegners ganz am Ende, ist Frust vorprogrammiert. Vor Beginn einer Mission ist es zwar möglich aus drei Schwierigkeitsgraden zu wählen und ich konnte das Spiel bis in den letzten Level mit dem Schwierigkeitsgrad Medium meistern, freies Speichern wäre mir jedoch lieber gewesen. Den letzten Level konnte ich zum Beispiel auch auf Easy nicht beenden, da mir der Boss ganz am Ende regelmäßig einen Strich durch die Rechnung machte. LucasArts sei Dank hatte man jedoch die Güte, eine breite Palette an Cheatcodes ins Spiel zu integrieren, von einem musste ich im letzten Level widerwillig Gebrauch machen.
Meiner Meinung nach ist dieser Punkt ein ganz gravierender Mangel, der schon bei einigen anderen Spielen für Wertungsabzüge gesorgt hat. Man erinnere sich an das ebenfalls nicht mehr ganz taufrische Aliens vs. Predator, bei dem die freie Speicherfunktion von den Entwicklern nach dem Release des Spiels nachgereicht wurde, um die Fachpresse (und die Kunden) zu besänftigen.
Ebenfalls fragwürdig ist das gänzliche Fehlen eines Mehrspielermodus. Dark Forces kann ausschließlich alleine gespielt werde. Das ist zwar aus heutiger Sicht kein Thema mehr, damals sorgte dieser Umstand aber vermutlich für lange Gesichter.
Insgesamt betrachtet ist Star Wars: Dark Forces jedoch ein sehr guter Egoshooter alter Schule, der es immer noch wert ist, gespielt zu werden. Nicht umsonst nehme ich mir Zeit, noch in diesem Umfang darauf einzugehen. Ich kann also jedem Freund des Genres dieses Spiel nahelegen. Es ist beispielsweise über Steam erhältlich und läuft auch über das Frontend DOSBox auf allen Betriebssystemen weitestgehend problemlos.
Viel Spaß und möge die Macht mit euch sein.