Ich werde das Gefühl nicht los, dass die Musikindustrie mich dieses Jahr gern hat. Ja doch, zweitausendfünf hat was.
Im Januar brachten uns Apocalyptica ein neues, selbstbetiteltes Scheibchen, das bis auf die eher bemüht wirkenden Vocal-Tracks (Ausnahme: Das auf beiden Varrianten der CD enthaltene und hinreissend vorgetragene "En Vie") wirklich zu gefallen wusste. Der Drumsound ist zwar nicht mehr ganz so spektakulär wie auf der "Reflections" (mangels Lombardo), passt aber gut ins Gesamt-Klangbild.
Aus Nippon kam dann im Februar das vielleicht eher unspektakuläre "Love Letter" von ex-Malice-Mizer-Sänger Gackt. Den Mann kann man zwar inzwischen getrost in die Pop-Ecke (ab)schieben, aber zu Akustik-Klampfe und Streichern kommt sein zugegeben sehr fähiger Gesang doch um einiges ehrlicher rüber, als zu bemüht wirkendem (dieses Wortpaar scheint es mir heute angetan zu haben) Kommerz-Rock. Weniger ist halt manchmal mehr, das kann man respektieren und ist in ruhigen Momenten sogar sehr hörbar.
Es ist März und ebenfalls aus Japan erreichte "Withering To Death" von Dir en grey meine Ohren - und zwar laut. Diese Band hat es geschafft sich in den vergangen Jahren nach und nach neu zu erfinden, erst flog der Visual-Kei-Kitsch über Bord, dann bekam der Gesang eine deutlich aggressivere Tendenz und nebenbei wurde man auch bei Gitarrenarbeit und Songstrukturen recht pragmatisch, wenn nicht gar minimalistisch. Letzteres sagt mir selbst nicht 100%-ig zu, doch ist besagte neue Platte dennoch ein sehr ansprechender Alternative-Progressive-Nu-Metal-Mischmasch geworden mit psychotisch-düsteren Texten und abwechslungsreichem Sound. Der Spaß hätte nur länger sein können, aber 50-Minüter scheinen ja jetzt in zu sein...
Etwas unter in dem Geschepper ging dann das eigentlich längst überfällige Solo-Album des ehemaligen X Japan-Drummers Yoshiki. Viel ist aus sieben Jahren Schaffenszeit (seit Auflösung der Band) nicht geworden, auf "Eternal Melody II" finden sich hautpsächlich auf Klassik getrimmte Eigencover und recht wenig wirklich neues bzw. überzeugendes. Die obligatorische Ausnahme bildet hier das über 17-minütige "Without You", ein ausgesprochen gelungenes Klavierkonzert.
Zurück in heimatlichen Gefilden weiss ein Arzt schon viel eher mit seiner Solo-Mukke zu glänzen. "Am Ende der Sonne" beschäftigt sich zwar thematisch wirklich arg oft mit Herzensdingen, hat aber dennoch genug Sozialkritk und Schwachsinn im Gepäck, wie wir's von Farin Urlaub gewohnt sind. Die Musik ist dabei wieder angenehm anders als bei den Ärzten und geht durchweg ins Ohr. Nach den nächsten ein bis zwei Scheiben des berliner Trios bitte mehr davon...
Tja, und es scheint gut weiter zu gehen. Im April warte ich auf Garbage ("Bleed Like Me"), im Mai natürlich auf Nine Inch Nails ("With Teeth"). Wenn euer musikalisches Jahr bislang auch so gut läuft, Glückwunsch. Ich geb mir jedenfalls erstmal eins der oben genannten Alben und bin gespannt was für euch die bisherigen Highlights waren oder wie ihr über das bereits genannte denkt (wobei ich mir fast sicher bin, dass vielen zu dem japanischen Zeug nichts einfallen wird).
2005 - So weit, so gut?
Moderator: Q-Marine